reflections

Es war ja nicht Alles schlecht. .. oder?

Vor gut zehn Jahren, hat meine Mutter, die bis Dato mein ganzes Leben lang gesoffen hat, endlich eine Therapie gemacht. Natürlich war ich stolz. Nun würde endlich Alles anders werden! Sie würde mir nie wieder vor halten, dass meine Geburt ihr Leben verstaut hätte. Nie mehr würde ich sie, total peinlich berührt, besoffen von einem Fest ziehen und unter Wutausbrüchen nach Hause schleppen müssen. Nie mehr würde ich schon eine Straße weiter Wolfgang Petrie hören und wissen, dass ich sie jetzt wieder aufbauen und meine zwei jüngeren Brüder beschützen müssen. Endlich! Endlich bin ich aus dieser Hölle befreit!Nun sah alles ganz anders aus! Aber nicht wie ich dachte!Es gab keine Einsicht, dass meine eigene Mutter mir mein Leben zur Hölle gemacht hatte, NEIN, jetzt sollte ich einsegen, dass Alkoholismus eine Krankheit ist, sie keine Schuld treffe und ich Verständnis dafür haben müsste, dass sie sich jetzt um ihr eigenes Seelenheil kümmern müsse. Auch wenn das heißen würde, dass sie sich an erster Stelle stellt und wir danach an der Reihe wären.Gut! Es war mir ziemlich egal! Ich hätte die ersten 20 Jahre mein Leben ihrem Wohl und dem meiner Brüder gewidmet, warum sollte ich jetzt ein Problem damit haben?Hatte ich nicht. Trotzdem zog ich aus! Da jetzt niemand mehr in Gefahr war, könnte ich mich endlich um mich selbst kümmern.Also fing ich eine Ausbildung an. Krankenschwester Das war ganz klar meine Berufung. Anderen helfen. Gewürdigt werden für diese Aufopferung. Geld verdienen. Leben?!?Leider hatte ich nicht bedacht, dass ich durch mein Leben mit einer Alkoholikerin als Mutter, einem alkoholkranken und schlagenden Stiefvater und einem Vater in Amerika, ziemlich verkorkst war.Ich konnte mich in die Klassen Gemeinschaft nicht integrieren. So sehr ich es auch versucht habe, man mochte mich Nicht und ließ mich das auch spüren. Eine Zeit lang ging ich mit Bauchschmerzen in den Unterricht und ins Praktikum.Ich weinte Zuhause. Zog mich in der Klasse als stilles, kleines, dickes und dummes Mädchen zurück.Irgendwann ging ich gar nicht mehr hin.Einen Aushilfsjob in einem Discounter schmiss ich auch nach einer Weile hin.Schlussendlich zog ich wieder bei meiner Mutter ein.Natürlich ging das nicht lange gut. Ich sollte auf einmal Dankbar sein, dafür das sie mich aufnahm, das sie mich ertrug, dankbar das sie mir das Leben geschenkt hatte... einfach für Alles.Und wenn ich die Vergangenheit zur Sprache brachte, bekam ich nur zu hören:"Es war jawohl nicht Alles schlecht. Ich habe sehr viel für euch getan und habe mich aufgeopfert." .Ich kann euch schon verraten, dass ich nicht mehr dieses kleine, unsichere und verängstigte Mädchen bin. Alles in einem Leben prägt einen und für manche erscheine ich Heute als Vorlaut, etwas ruppig oder dominant und keiner sieht mehr das hilflose Mädchen. Aber es fragt auch niemand warum ich so bin.Ich würde gerne wissen, ob ihr ähnliche Erfahrungen gesammelt habt und was euch geprägt hat. Fragt ihr euch manchmal warum Menschen so sind, wie sie sind?

20.12.16 20:10

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